Hossfeld

Brigitte Hoßfeld

Frauen feiern nicht nur aktiv den Gottesdienst, sondern sie engagieren sich in vielen Bereichen kirchlichen Lebens. Lesen Sie hier, was Brigitte Hoßfeld ehrenamtlich leistet und was sie bewegt…

Telefonseelsorge - das ist seit vielen Jahren Trost und Halt für viele Anrufer und eine große Aufgabe für MitarbeiterInnen. Und seit 2009 bin ich auch dabei. Mein Name ist Brigitte Hoßfeld.  Ich wusste schon während meiner Berufstätigkeit als Protokollführerin beim Verwaltungsgericht Köln, dass ich mit Eintritt ins Rentenalter die Telefonseelsorge meinen ehrenamtlichen Einsatz vervollständigen könnte, zumal ich vor mehreren Jahren in einem Seminar erfahren habe, dass die Ausbildung bei der TS anspruchsvoll und persönlich herausfordernd sei. Das hatte ich über viele Jahre nicht vergessen.


Ich habe mir für meinen ehrenamtlichen Einsatz schon seit ein paar Jahren bewusst Nischen ausgesucht, die mir Umgang mit Menschen ermöglichten, mit denen ich nicht selbstverständlich Umgang hatte. Nach meinem aktiven Berufsleben habe ich mich bei der TS beworben und wurde schließlich zu der einjährigen Ausbildungsgruppe eingeladen.


Die Ausbildungszeit habe ich als sehr persönlich und tief greifend erlebt. Nach und nach habe ich verstanden, warum das eigene Erleben bei dieser Arbeit so einen wichtigen Platz einnimmt: Selbst Erlebtes, selbst Betrauertes, selbst Gespürtes und selbst Verarbeitetes lässt nämlich vorsichtig sein mit schnellen Ratschlägen und kurzen „Schulterklopf“-Kommentaren.

 

Hören ist etwas anderes als Zuhören. Hören bei der TS beinhaltet nachspüren, Ungesagtes zwischen den Worten erfassen, mit dem Anrufenden auszuhalten, manchmal zu hinterfragen, manchmal Stille miteinander zu tragen. Die Anonymität macht es für Anrufer leicht, sich zu öffnen, Traurigkeiten zuzulassen oder Ärger und Wut anzusprechen. Das ermöglicht Nähe und Vertrauen und eine gewisse Sorglosigkeit, lange Verschüttetes, Peinliches oder Beschämendes zu besprechen. Wir Mitarbeiter machen unseren Dienst allein in einem ansprechenden Zimmer, in dem die Außenwelt abgeschirmt ist und aus dem auch nichts nach außen dringen kann.


Ich genieße diese Atmosphäre bei der fünfstündigen Tagesschicht und der neunstündigen Nachtschicht. Zwischen den Gesprächen kann ich das Telefon minutenlang abstellen, um Kopf und Herz wieder frei zu machen. Und dann kann es wieder weiter gehen: „Telefonseelsorge, guten Tag.“
Jeder Anruf ist für mich so etwas wie das Öffnen einer Tür, so etwas wie eine Einladung in das Leben des Anrufers. Das ist ein großer Vertrauensbeweis, obwohl es auch Gespräche gibt, die in mir große Frustration hinterlassen, große Hilflosigkeit und manchmal großen Ärger.
Alle guten und auch negativen Gefühle kann ich in der regelmäßigen Supervision ansprechen und bearbeiten.

 

Meine Motivation:
Bei der TS habe ich gefunden, was ich bei allen ehrenamtlichen Engagements gesucht habe: Umgang mit Menschen, vor allem mit Menschen, die mir in meinem Umfeld so nicht begegnen. Das ermöglicht mir einen Blick über den Tellerrand hinaus und ergänzt mein Menschenbild. Deshalb werde ich mit Freuden weiter machen und mich und meine Zeit gerne einbringen.

 

 

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